Faires text

FAIRIES

Daniela Niklas, Kunsthistorikerin M.A., Berlin, Oktober 2020

Fairies ist der Titel von Kathrin Linkersdorffs aktueller Reihe. Die Künstlerin folgt auf allen Ebenen klaren Strukturen und ihre Arbeitsweise ist nicht auf Streuung sondern Vertiefung und Intensivierung angelegt. Von Anfang an hat sie das Arbeiten und Präsentieren in Reihen eingeführt. Ebenso das streng quadratische Format sowie die Konzentration auf Motive aus der Pflanzenwelt, wobei sie ganz überwiegend getrocknete Blüten und Fruchtstände bevorzugt. Einen deutlichen Schwerpunkt bildet die Fotografie von Tulpen. Diese Grundkonstellation gibt der Fotografin viel Raum für die Verschlüsselung und Übertragung von motivunabhängigen Inhalten. So gelangen die Prinzipien von Zeit  und Dynamik über den vorangestellten aufwändigen Trocknungsprozess und die Wiederholung von Motiven ins Werk. Getrocknete, welke Pflanzen erlangen durch die Fokussierung auf ihre Farbigkeit eine neue, transformierte Lebendigkeit.  

Die Faries sind eng verbunden mit den portraithaften Aufnahmen der Wabi Sabi Reihen und den geselligen Anordnungen aus der Triptychon Reihe. Was alle Fairies zusammen miteinander verbindet, sind die schwerelose Luftigkeit, ihr durchscheinender Charakter, die zarte Farbigkeit und die dennoch messerscharfe Wiedergabe von einerseits räumlicher Anordnung und andererseits innerer Blattstruktur.

Die Vertrautheit von Kathrin Linkersdorff mit den japanischen Vorstellungen von Ästhetik wohnt den neueren Arbeiten ganz selbstverständlich inne, ohne dass dies weiter thematisiert wird. Versehrtheit und Vergänglichkeit der Pflanzen ist zum Markenzeichen ihrer Motive geworden. Der Anblick wird beim Betrachten so sehr verinnerlicht, dass man die Tulpen auf dem Markt oder in den Vorgärten fast für unnatürlich und manipuliert hält. Ebenso aus der japanischenTradition entlehnt ist die Einbeziehung der Dunkelheit und die Sorgfalt, mit der all jene Flächen angelegt sind, in denen nichts zu sehen ist. Das zwischen den Dingen bleibt nicht einfach übrig, es ist aufmerksam gestaltet und wahrt das Geheimnis. Wo jetzt in der Aufnahme nichts ist, ist potentiell etwas gewesen. Im Zweifelsfall Blattmaterie, vielleicht aber auch das Leben oder das Sterben selbst. Schönheit ist überall. Sie macht vor dem Verfall nicht halt und ist auch nicht an die Einzigartigkeit eines Individuums gebunden. So portraithaft die Aufnahmen sind, so nah die Fotografin ihren Motiven kommt, nie ist eine einzelne Pflanze in ihrer Individualität gemeint. Sie bleibt immer Teil der Gesamtheit aller Pflanzen. Sie ist Bild eines Erlebnisses, eines Prozesses, der unendlich oft wiederholbar ist. In der Aufnahme und auch in der Betrachtung.