-artist statement

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ARTIST STATEMENT

Das Kaiserliche Siegel Japans zeigt eine Chrysantheme:
Einfachheit, Klarheit, Reduktion.
Japaner verehren die sie umgebende Natur. Ihre Gewalt ebenso wie ihre Zartheit. Die Natur ist allgegenwärtiger Bestandteil der Japanischen Kultur und beflügelt sie mit allumfassender Schönheit.
In der japanischen Tuschmalerei Sumi-e erlebte ich eine neue Wahrnehmung von
Gestalt – Komposition – Farbe – Form.
Während meines mehrjährigen Aufenthaltes in Japan hatte ich die Möglichkeit, dem Wesen von Wabi Sabi nachzuspüren – einer Akzeptanz von Vergänglichkeit, die Schönheit findet in der Unvollkommenheit und Unvollständigkeit aller Dinge des Lebens.
In der flüchtigen Existenz von Blumen spiegelt sich der Kreislauf unseres Lebens und im fotografischen Austausch zwischen mir und meinen Blumen entwickle ich ihre Portraits.
Die welkende Blume versinnbildlicht den Schmerz des Todes und die Schönheit der Vergänglichkeit.

Steht man in meinem Atelier, würde man nicht denken, es sei ein Fotoatelier.
Sich stapelnde Pappkisten bergen ein Archiv von trocknenden Pflanzen.
Der Beginn meiner Arbeit ist ein langwieriges und mühevolles Behandeln stets fragiler werdender Blumen. Über Monate werden sie aufgehängt, gedreht, entstaubt und wieder gewendet – um in erdachten Formen fragil zu erstarren.
Das Wesen meiner Arbeitsweise ist ein analoges. Lange habe ich auf Filmmaterial mit einer Hasselblad fotografiert und noch heute arbeite ich ausschließlich mit gezielt eingesetztem Tageslicht.
Um die malerische Qualität meines Sujets auch in archivfesten Pigmentdrucken abzubilden, musste ich vor einigen Jahren dennoch zu einer digitalen Kamera und Weiterverarbeitung wechseln. Es erlaubt mir zusätzliche Freiheiten der gezielten Schärfegestaltung und ermöglicht zudem das Erstellen von extrem hochwertigen Dye-Transfer-Drucken.

Im präzise inszenierten Moment der Fotografie wird der schwindende Augenblick von Vergänglichkeit in seiner vollen Schönheit eingefroren. Doch erst im anschließenden Zusammenspiel mit dem aufwendigen Prozess der weiteren Verarbeitung und einem fein justierten Druck, findet das Bild seinen vollkommenen Ausdruck und vermag den beseelten Moment der Aufnahme widerzuspiegeln.

 

ARTIST STATEMENT

Since the time I worked in Japan in the early 1990s, I have been fascinated by the clarity, simplicity, reduction, and omnipresent influence of nature in traditional Japanese culture, in which a unique sense of beauty is revealed. I learned the technique of sumi-e, or Japanese inkwash painting, which sharpened my perception for the composition of color and form. And in the aesthetic concept of wabi-sabi I discovered beauty as the acceptance of transience, imperfection, and incompleteness. I am interested in the fleeting nature of flowers as a metaphor for the cycle of life that, to me, words cannot spell out. My photographic portraits of withering flowers strive to touch hidden emotions, alleviating pain and loss.

Whereas I initially worked with a Hasselblad, I have used a digital camera since 2013. My otherwise essentially analog practice consists of an extremely lengthy and meticulous process of preparing each flower for the moment of the photograph. The studio is rather an experimental laboratory dedicated to this process than a photographic studio. In a last preliminary step, my fragile and unique subjects may call for particular interventions such as dipping in liquid or occasional color retouching. Finally, I set up the camera in natural light with the shadows reflected out and shoot a staged instant of evanescent beauty. My ongoing series of dye transfer prints or archival pigment prints are invariably square in format. In the photographs, I seek to achieve painterly quality and extreme sharpness. Only the experience of the original print can communicate the direct beauty of imperfection.